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Interview mit Joe Lewis

Frage: Joe, Du bist zum größten Karatekämpfer aller Zeiten gewählt worden. Was war erforderlich, um diesen Titel zu erreichen?

Joe: 1976 hieß das zur damaligen Zeit auflagenstärkste Karatemagazin der Welt einfach nur Karate. Es kam aus Paris in Frankreich. Sie hatten ein großes Poster zum Herausnehmen gemacht, wobei sie mich zum größten Karatekämpfer aller Zeiten gewählt hatten. 1983 führte ein Ableger der zu dem Zeitpunkt größten Kampfkunstzeitschrift, welche Black Belt Magazine war (ihr Ableger hieß Karate Illustrated) eine Abstimmung unter allen Top-Kämpfern und Veranstaltern durch, einschließlich Mike Stone, Chuck Norris und Bill Wallace, die zu der Zeit die Top-Leute waren, und in dieser Umfrage wurde ich von meinen Kollegen und Experten zum größten Karatekämpfer aller Zeiten gewählt. Chuck Norris und Bill Wallace kamen gemeinsam auf den zweiten Platz. Auf all den Stimmzetteln, die abgegeben worden sind, war ich der einzige Kämpfer, der auf jedermanns Liste bei dieser Umfrage enthalten war. Also habe ich nicht bloß den ersten Platz gewonnen, der größte Kämpfer aller Zeiten zu sein, sondern ich war auch der einzige Kämpfer, der von jedermann auf dem Stimmzettel aufgeführt worden ist.
Ich begann 1966 mit Wettkämpfen, als ich die Karate-Landesmeisterschaft der Vereinigten Staaten gewann. Ich gewann den Haupttitel und gewann auch den ersten Platz im Formenwettkampf der Schwarzgurte. Ich bin vielleicht der einzige Kämpfer mit einem großen Namen, der von sich sagen kann, daß ich niemals in einem Kata-Wettkampf besiegt worden bin. Ich bin in zwei Jahren, 1966 und 1977, der Schwarzgurt-Kata-Landesmeister der Vereinigten Staaten gewesen. Vielleicht kann keiner, der ein Turnier-Großmeister ist, angeben und sagen, daß er nicht nur der Hauptgewinner eines großen Turniers gewesen ist, sondern auch den ersten Platz im Kata-Wettkampf gewonnen hat. Das ist extrem schwierig zu bewerkstelligen. Da es mich 17 Jahre an Wettkämpfen gekostet hat, um diesen Titel “Größter Kämpfer aller Zeiten” zu erreichen, denke ich, daß Zeit und Qualität, Gestalt Deiner Errungenschaften, eine Rechtmäßigkeit Deiner Empfehlungen und die Standards, denen Du Dich unterwirfst, alles Faktoren sind, welche Dir helfen, den Respekt Deiner Kollegen zu erreichen. In einer unsicheren Welt, wie der von Kampfkunst-Wettkämpfen, ist das Erringen des Respekts und der Anerkennung durch Deine Kollegen nahezu unmöglich.

Frage: Kannst Du uns etwas über den Unterschied zwischen der Welt der Kampfkünste und Kämpfer von heute und zu Deiner Zeit sagen?

Joe: In allen Sportarten entwickeln sich Athleten und Sportler von einem Jahrzehnt zum nächsten weiter. In den späten 1950er und frühen 1960er Jahren waren die Asiaten nicht so an Wettkämpfen interessiert wie die Amerikaner und Europäer. Sie hielten an traditionellen Werten, wie etwa Loyalität und persönlicher Entwicklung, fest. Kämpfer von heute haben eine Fülle an großartigen Ausbildern zur Verfügung stehen, von denen sie lernen. Zu meiner Zeit gab es da wenige Trainer, die irgend etwas über Kämpfen oder Wettkampf wußten. Führende Schwarzgurte wie ich selbst brachten es sich entweder selbst bei, oder Du lerntest, in dem Du mit Deinem Sparringspartner arbeitest, durch Versuch und Irrtum. Heutige Kämpfer haben bessere Technikausführungen in Bezug auf ihren Stil. Ich finde, daß die älteren Kämpfer mehr auf das Wesentliche orientiert waren. Wenn sie Techniken ausführten, war es nicht wichtig, wie sie aussahen. Es war die Absicht, die sie in ihre Tritte und Schläge legten, welche hervorgehoben wurde. In den alten Tagen gab es nur zwei oder drei Top-Leute. In den letzten Jahren ist es zu einer Vielzahl an Top-Kämpfern geworden. Die alten Kämpfer hatten eine höhere Gewinnrate als die Kämpfer von heute. Die heutigen Kämpfer ignorieren ihre Niederlagen und haben keinen Respekt für Verteidigung oder körperliche Härte. In den alten Tagen lautete das Gesetz des Kampfes, daß Du nicht getroffen wirst, keinem wurde erlaubt, gegen Dich Punkte zu erzielen, und Du ließt niemals irgend jemand wissen, wenn Du während eines Wettkampfes müde, verletzt oder in Not warst. Falls heutigen Kämpfern ein klein bißchen die Lippe aufplatzt, ihnen die Luft rausgehauen wird oder sie ein wenig zu viel Kontakt zum Kopf erhalten, laufen sie weinend zu ihrer Mammi.

Frage: Denkst Du, daß die heutigen Kämpfer besser sind als die Kämpfer Deiner Zeit? Kannst Du Dir Dich selbst vorstellen gegen einen so guten Kämpfer wie z.B. Peter Aerts? Wer würde der Sieger sein?

Joe: Wie schon gesagt, in allen Sportarten entwickeln sich die Sportler und Athleten von einem Jahrzehnt zum nächsten weiter und werden besser. Wir werden besser betreut, wir sind besser trainiert und wir sind gesünder, wir sind größer, schneller und stärker. Als ein heutiger Kämpfer, im Alter von 58 Jahren, könnte ich den Joe Lewis von vor 30 Jahren besiegen. Wenn Du ein Lehrer wirst, wächst Du und lernst viel schneller als Du es jemals getan hast als Kämpfer. Peter Aerts hat das K1 zu drei verschiedenen Zeitpunkten gewonnen. Das macht ihn nur zu einem großen Kämpfer. Er könnte vielleicht zu einer zukünftigen Ikone werden. Selbstverständlich hat er, genau so wie der Rest von uns, Schwächen. Er kämpft im Fernsehen. Wenige meiner Kämpfe wurden jemals im Fernsehen übertragen. Wenn die Leute mir also gegenübertraten, konnten sie sich bloß vorstellen, gegen was sie antraten. Bei Peter kannst Du Dich im Voraus vorbereiten, um zu lernen, wie Du seine Stärken wegnimmst und leicht Vorteil ziehen aus seinen Schwächen. Ich war schneller und stärker als Peter. Er ist größer und ist härteren Gegnern im Wettkampf begegnet als ich es tat. Ich habe ehrlich niemals ernsthaft darüber nachgedacht, ob ich eine andere Person schlagen könnte oder nicht. Ich genieße es, einen anderen Kämpfer zu analysieren und seinem Wettkampfgegner beizubringen, wie er ihn aus dem Gleichgewicht bringt, indem er dessen Stärken wegnimmt.

Frage: Falls Du für einen großen Kämpfer stimmen würdest, wer würde es sein? Ich weiß, daß Alex Gong einer in Deiner Auswahl sein wird!

Joe: Es gibt da einen Unterschied zwischen einem großen Kämpfer und dem, was ich als einen Champion bezeichnen würde. Ein großer Kämpfer würde all die ultimativen Eigenschaften besitzen müssen, die erforderlich sind, um Größe zu erreichen. Du mußt schnell sein, Du mußt kraftvoll sein, Du mußt hartnäckig sein, Du mußt hart sein, Du mußt ein starkes inneres Wesen haben, eine tiefgehende Bereitschaft dazu, beständig anzugreifen, und Du mußt den ultimativen Mut haben. Wir nennen es Deinen Kampfgeist. Zu wissen, wie Du Dich total einsetzt und immer 100 Prozent gibst, das nennen wir Herz haben. Wenige Kämpfer haben diese ultimative Eigenschaft. Ich beobachte Kämpfer rund um die Welt, solche wie Alex Gong. Er ist ein Freund von mir, er ist schlau, er trainiert hart und er hat eine gute Technik. Es mangelt ihm an dieser Bereitschaft, ständig anzugreifen, an Härte und an dem, was ich als innere Gemeinheit bezeichne. Ihm fehlt es an dieser einschüchternden Präsenz. Es mangelt ihm an Verteidigung. Es fehlt ihm an guten Handfertigkeiten auf der Innenbahn, an der Fähigkeit, Winkel auszuführen und an Drehfertigkeiten auf der Innenbahn. Seine Reaktionszeit, wenn er kontert, ist langsam. Er hat wenige Vorbereitungsfertigkeiten. Bei jedem Kämpfer auf dem Planeten könnte ich so weiter machen wie ich es hier tue. Ich mache nicht irgend jemanden schlecht; ich hebe nur die Wichtigkeit für die Entwicklung des Auges bei einem Trainer hervor. Du mußt herausfinden, was im Einzelnen das vorherrschendste Prinzip ist, das Dich dazu motiviert, zu trainieren und das Ziel zu verfolgen, ein Champion zu werden. Wenige Kämpfer können diese Frage beantworten. Traurigerweise sind die meisten Trainer nicht in der Lage, diese für sie zu beantworten. Wenn ein Kämpfer in der Lage ist, sich diese innere Aufmerksamkeit zu eigen zu machen, welche diese Frage beantwortet, wird er unaufhaltsam werden.

Frage: So weit ich es verstehe, bist Du sehr streng damit, einem Schüler einen Schwarzgurt zu verleihen! Wer ist es Deiner Meinung nach wert, ein Schwarzgurt zu werden?

Joe: Schwarzgurt bedeutet für mich zwei Dinge: Erstens, Du kannst kämpfen, und zweitens, Du kannst unterrichten. Es basiert nicht darauf, wie schnell Du bist, wie hart Du treffen kannst, wieviel Zeit und Qualität Du hast, aus welchem Stil Du kommst, welche Noten Du in der Schule hast, wieviel Geld Du Deinem Lehrer unter dem Tisch zusteckst oder wie scharf Deine Katas aussehen. Ich mag keine Gangster, Bandenmitglieder, Leute mit Tätowierungen und übermäßigen Piercings am Körper, Leute mit einem Vorstrafenregister, Leute, die Gewalt respektieren oder irgend etwas von diesem anderen Unsinn. Ich verleihe nur den Rang eines Schwarzgurtes, nichts anderes unterhalb dessen. Hast Du erst einmal diese Auswahlkriterien überstanden und bist von einem meiner Schwarzgurte empfohlen worden, lassen wir Dich durch drei 3-Minuten-Runden mit Vollkontakt gehen. Falls Du nicht aufgibst, falls Du so aussiehst, als ob Du weißt, wie man kämpft und Du den Wunsch hast, dabei zu bleiben und von mir und meinen anderen Schwarzgurtkämpfern zu lernen, werde ich Dir einen Schwarzgurt geben. Es ist mir egal, wie viele Bretter Du zerschlagen kannst, wie viele Katas Du auswendiglernen kannst oder wie viele Kilometer Du laufen kannst. Ich habe diese Prüfungen gesehen, die zwei Tage dauern. Mein Test dauert 11 Minuten, neun Minuten für das Kämpfen und zwei Minuten für die Rundenpausen. Gib mir elf Minuten Deines Lebens mit all Deinem Herz, und ich werde Dich lebenslang unterrichten.

Frage: Es gibt viele qualifizierte Kämpfer und Kampfkünstler, die nicht in die USA reisen können, um von Dir geprüft zu werden. Möchtest Du ihnen nicht irgendeine Einrichtung anbieten oder eine Chance geben?

Joe: Ich habe Schwarzgurte, die aus anderen Ländern hierher reisen und getestet werden. Ich bin um die halbe Welt gereist. Als ich in den frühen 60er Jahren Kampfkünste lernen wollte, ging ich um die halbe Welt nach Okinawa. Ich bin nicht in einer Position, um Zugeständnisse zu machen. Entweder Du kommst zu mir oder vergiß es. Ich hoffe, schließlich im Nahen Osten einen Auftritt zu haben. Vor zehn Jahren stand ich kurz davor, in Kuwait etwas Unterricht zu geben, und dann brach dieser lächerliche Krieg aus und alles wurde abgesagt. Ich würde es lieben, die Tür zu öffnen und in jedermanns Land zu gehen. Ich habe mal vor Jahren Arbeit als Bodyguard für einige der Iraner, die aus den Ölfamilien stammen, gemacht. Sie lieben Kampfkünste. Sie sprachen immer über einen meiner Lehrer, Bruce Lee. Ich würde es lieben, dort hin zu gehen und einige Zeit zu verbringen.

Frage: Du konntest kein erfolgreicher Filmstar werden so wie Du es im Ring warst. Warum nicht?

Joe: Ganz einfach: Ich mag es nicht, Befehle entgegenzunehmen. In Hollywood mußt Du ein Arschlecker sein, vorgeben, demütig zu sein, in der Lage sein, eine Menge an Beleidigungen hinzunehmen und es Dir selbst erlauben, mit Respektlosigkeit behandelt zu werden. Hollywood, genauso wie die Musikindustrie, ist voll von Schwindlern, Lügnern, Betrügern und Manipulierern. Es war hart für mich, in dieser Welt der Falschheit zu funktionieren.

Frage: Der verstorbene Bruce Lee, der in den meisten Teilen der Welt eine Legende ist, lud Dich ein, gegen ihn in dem Film Die Todesfaust des Cheng Li zu kämpfen. Du hast dieses Angebot nicht angenommen, und Chuck Norris übernahm die Rolle. Warum bist Du diesem Wunsch nicht nachgekommen, und hast Du eine besondere Erinnerung an Bruce?

Joe: Bruce Lee sagte mir, daß er der Welt beweisen wollte, daß die chinesischen Kampfkünstler allen anderen Rassen überlegen seien, den Koreanern, den Japanern und insbesondere den Weißen. Zu diesem Zeitpunkt hatte keiner gewußt, daß Der Mann mit der Todeskralle ein großer 300-Millionen-Dollar-Megafilmerfolg werden würde. Meine Berater rieten mir, absolut keine Kampfkunstfilme zu machen. Bruce Lee war ein 1,70 Meter kleiner, 63 Kilo leichter, nichtkämpfender Typ von Kampfkünstler. Ich war ausschließlich auf Kampf und Wettkampf ausgerichtet. Ich war nahezu 1,83 Meter groß und 90 Kilo schwer. Ich verstand seinen Standpunkt nicht, warum er mich fragen wollte, ihm zu erlauben, mich in dem Film zusammenzuschlagen, um diese für ihn persönliche Sache zu beweisen. Selbstverständlich wollte ich Filme machen, aber zu dem Zeitpunkt und basierend auf dem, was meine Berater mir sagten, schien es einfach keine gute Idee zu sein, jemand anderem seinen Egotrip zu erfüllen. Im Rückblick gesehen magst Du sagen, es ist ein großer Fehler meines Lebens gewesen, nein zu ihm zu sagen oder ganz einfach zu vermeiden, in seine Filme mit einbezogen zu werden.
Natürlich habe ich besondere Erinnerungen an Bruce. Er war sehr intelligent und sehr kreativ, zwei Dinge, die mir gefallen. Er dachte in Prinzipien. Er hatte eine hohe abstrakte Intelligenz. Das ist eine Sache, die ich an Menschen am meisten bewundere. Er liebte auch körperliche Entwicklung und Fitness, zwei Dinge, die ich mag. Als Kind gewann ich Kunstwettbewerbe, und er war auch ein fabelhafter Künstler und liebte Philosophie, zwei Dinge, für die wir beide extrem Feuer und Flamme waren.

Frage: Glaubst Du an die Rollen von Höflichkeit und einer netten Persönlichkeit, um in den Kampfkünsten erfolgreich zu werden?

Joe: Falls ein Lehrer seinen jungen Schülern eine bestimmte Charakterentwicklung beibringen möchte, ist das seine Angelegenheit. Ich denke, gute Manieren und Respekt für andere sollte in allen Gesichtspunkten des Lebens praktiziert werden. Ich denke nicht, daß Du das unbedingt benötigst, um in den Kampfkünsten erfolgreich zu werden. Menschen sollten diese Charakterzüge besitzen, bevor sie zu den Kampfkünsten kommen. Das ist so, als ob Du sagst: “Benötigst Du dies, um im Boxen erfolgreich zu werden?” Sieh Dir Mike Tysons persönliches Leben an. Da hast Du Deine Antwort.


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